Der gute Hausmann

Wenn man – vor allem auf amerikanischen Webseiten – das Thema Female led relationship für sich erarbeitet, bekommt man oft den Eindruck, dass insbesondere ein Aufgabenfeld exklusiv für den Mann in einer FLR reserviert ist: Die haushälterischen Pflichten.
Es sei die Pflicht des Mannes, der Dame jede lästige Aufgabe abzunehmen, den Müll rauszubringen und natürlich für ein stets blitzblankes Parkett zu sorgen.
Aus meiner Sicht gibt es dazu vor allem eines zu sagen. Es stimmt! Der Mann führt in einer weiblich geführten Beziehung den Haushalt.
Wichtig bei dieser Aussage sind vor allem zwei Feinheiten. „Meine Sicht“ und „in einer“. Letzteres kann auch als „mindestens einer“ verstanden werden. Nämlich in meiner. Ich persönlich habe mit meinem Partner diese Aufgabenverteilung getroffen, weil wir beide der Auffassung waren, dass es sinnvoll ist. Daraus lässt sich aber keinesfalls ableiten, dass man pauschal davon ausgehen sollte, dass man nur dann in einer FLR lebt, wenn der Mann die Hausfrau spielt. Dennoch lässt sich dieses Thema sehr gut nutzen, um einige Mechanismen der weiblich geführten Beziehung näher zu beleuchten.
Zum einen wäre da die Motivation des Mannes, bzw. der Frau. Es ist nicht die Aufgabe des Mannes, sich von der Frau als Putzhilfe missbrauchen zu lassen, weil diese aus eigener Antriebslosigkeit keine Lust auf den Haushalt hat. Vielmehr geht es darum, dass dieses Betätigungsfeld dem Mann die Gelegenheit gibt, seiner Dame Dinge abzunehmen und ihr damit eine Freude zu machen. Eine weiblich geführte Beziehung lebt davon, dass der Mann die Dinge auf sich nimmt, die der Dame – die heute mehr denn je ebenfalls voll im Berufsleben steht und immer mehr Verantwortung übernimmt – keine Freude bereiten. Es gibt viele Damen, die bei ausgesuchten Tätigkeiten durchaus so etwas wie Entspannung empfinden. Manche bügeln gerne, andere nähen oder haben Freude daran, von Zeit zu Zeit umzudekorieren oder den Keller auszumisten. Es ist nicht die Aufgabe des Mannes, diese entspannenden Tätigkeiten zu übernehmen. Außerdem ist – wie bei vielen anderen Aspekten auch – der eigene Antrieb des Mannes entscheidend. So wird eine Dame nie verlangen, dass der Haushalt gemacht wird. Der Mann wird aus eigener Motivation (vergl. das Leitbild) genau die Tätigkeiten im Haushalt übernehmen, von denen er annimmt (und er wird in aller Regel richtig liegen!), dass diese der Frau eher Stress als Freude bereiten. Natürlich gibt es auch Beziehungen, in denen der Haushalt im Rahmen eines vereinbarten Regelwerkes explizit geregelt ist. Auch hier stellt die Freiwilligkeit einen zentralen Aspekt dar, da ein Regelwerk stets das Ergebnis gemeinsamer Vereinbarungen sein wird.

Zusammenfassend kann man sagen:

  • Der Mann ist in einer FLR keineswegs der „Haushaltssklave“.
  • Ein überdurchschnittliches Engagement des Mannes im Haushalt resultiert in der Regel aus dem Anspruch, seiner Partnerin stressige Aufgaben abzunehmen.
  • Dieser Anspruch ist intrinsisch, also aus sich selbst heraus motiviert.
  • Auch wenn Haushaltsaufgaben klar geregelt sind, so ist die Freiwilligkeit gegeben.
  • Die Dame wird, dem Gedanken des Minnedienstes folgend, im Mann eine Stütze sehen und sein Engagement zu würdigen wissen.

In diesem Zusammenhang empfiehlt sich auch noch einmal ein Blick in das Leitbild.

Viele Grüße,

Elisabeth Steinhaus

Ps. Natürlich eignet sich der Haushaltsdienst auch für das ein oder andere Machtspiel, eine Überprüfung der Reinigungsleistung mit weißen Handschuhen hat durchaus einen gewissen Reiz und Unterhaltungswert. Das aber nur am Rande!

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