Der männliche Input

Weibliche Führung bzw. die weibliche geführte Beziehung wird oft so verstanden, dass die Frau über den Mann herrscht, wie die Herrin über ihre Sklaven. Man muss attestieren, dass inzwischen die Stimmen derjenigen, die auf die große Bandbreite an verschiedenen Konstellationen hinweisen, lauter zu hören sind. Trotzdem wird in einschlägigen Foren in der Regel das klare Machtverhältnis zwischen der Frau (oben) und dem Mann (unten) thematisiert.

Dabei wird vergessen, dass es sich bei FLR – auch wenn sie oft so eingeordnet wird – nicht um eine sexuelle Spielart, sondern um ein besonderes Beziehungsmodell handelt. Auch wenn die Grenzen zu BDSM manchmal etwas erodieren, sollte man den Begriff „Beziehung“ nie in den Hintergrund treten lassen, wenn man das Konzept der weiblich geführten Beziehung für sich reflektiert.

Wenn man sich das vor Augen führt, wird man sich irgendwann auch mit der Frage beschäftigen, wer was in eine Beziehung, in diesem Fall in die weiblich geführte Beziehung, einbringen sollte. Und auch wenn die Frau eine große Gestaltungshoheit für sich beansprucht, so ist mir in meinem privaten Umfeld, auch wenn ich gar nicht so viele Paare kenne, die in einer FLR leben, kein Fall bekannt, in dem die Frau den Mann unterdrückt oder regelrecht klein hält. Es ist vielmehr so, dass der Mann sich massiv in die Beziehung einbringt und zwar nicht als Diener einer Herrin, sondern auch mit kreativem und gestalterischem Input. Das bedeutet, dass natürlich auch der Mann an der Gestaltung der gemeinsamen Lebenspläne aktiven Anteil hat und nicht die Frau alle Vorgaben macht. Eine Beziehung, in der die Frau zu jederzeit alle Entscheidungen nicht nur treffen, sondern auch noch die Vorbereitung leisten muss, wird sehr schnell ermüdend und kräfteraubend für beide Parteien sein. Auch ein Mann, der sich freiwillig für eine FLR entscheidet, wird den Wunsch verspüren sich nicht nur mit seiner Muskelkraft, sondern auch mit seinem Gehirn in die Beziehung einzubringen.

Gerade bei Themen, die der Frau vielleicht nicht liegen, muss der männliche Part eine sinnvolle Ergänzung zur gemeinsamen Willensbildung leisten. Natürlich könnte ich jetzt Klischees bemühen, wie den Kauf eines Autos oder Rasenmähers. Aber auch bei einfachsten Fragen des Alltags, etwa, was es zum Abendessen gibt oder welchen Film man gemeinsam auf dem Sofa anschauen möchte, sollte der Mann sich konstruktiv einbringen. Wenn ich meinen Mann frage, welchen Film er schauen möchte und er mir dann mit einem „Alles was Du befiehlst Herrin“ antworten würde, wäre ich erstens genervt und würde ihn dann vermutlich zur Strafe 8 Stunden lang Bibel-TV schauen lassen.

Leider ist es nämlich so, dass Männer in einer FLR gerade zu Beginn in eine Art Passivität verfallen oder sie versuchen nur noch die Wünsche ihrer Partnerin in einem Akt der hohen Minne zu ergründen und zu erfüllen. So funktioniert aber auf Dauer keine sinnvolle Beziehungsarbeit. Natürlich ist Ritterlichkeit und der Anspruch, seine Frau auf Händen zu tragen, einer der Leitgedanken einer weiblich geführten Beziehung. Trotzdem sollte zu jederzeit ein konstruktives Feedback und echter Input durch den Mann die gemeinsamen Pläne bereichern.

Letzte Bearbeitung: 7. 12. 2016

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