Leitbild

Oft sagt man mir nach, meine Texte seien ein wenig steril und würden mitunter ein wenig die Leidenschaft für das Thema der weiblich geführten Beziehung vermissen lassen. Mir ist dieser Umstand durchaus bewusst und ehrlich gesagt ist es für mich eher ein Kompliment, als eine Kritik. Der Grund dafür ist, dass ich mich bemühe, dem Thema auf möglichst sachlicher Ebene gerecht zu werden. Keiner meiner Texte soll eine Vorlage für die Erfüllung feuchter Männerträume darstellen. Ich möchte mich dem Thema auf eine neutrale Weise nähern und dem Leser die Möglichkeit geben, sich ein eigenes Bild zu machen. Mir geht es darum zu informieren und Denkanstöße zu setzen.

Doch auch wenn ich meine eigenen Vorstellungen in den Mittelpunkt drängen möchte, wird mein persönliches Bild der FLR von folgendem Leitbild geprägt.

Es ist viele hundert Jahre her, dass – zumindest erzählt man es sich so – eine Form der Liebe und Hingabe existierte, die ihre Renaissance in der weiblich geführten Beziehung findet. Es ist die Liebe eines niederen Mannes zu einer höheren Dame. Eine Liebe, die in früheren Zeiten nie eine Chance hatte, körperliche Erfüllung zu erlangen, da jegliche sexuelle Annäherung im schlimmsten Fall zum Verlust des Kopfes zumindest des niederen Mannes geführt hätte. So entwickelte sich eine platonische Form der Hingabe:

Die hohe Minne.

Der werbende Mann verschrieb sich dem Dienst an der für ihn unerreichbaren Erwählten und richtete sein gesamtes Tun und Wirken darauf aus, ihre Gunst zu gewinnen. Er tat dies, indem er Pflichten und Aufträge übernahm und zu passender Zeit die Schönheit und den Liebreiz seiner Dame besang. Die höchste Gegenleistung, die er für seinen Dienst erwarten konnte, war die Anerkennung und das hohe Ansehen, in dem er bei treuer Erfüllung seiner Pflichten stand. Die Dame wusste, dass auch wenn sie keinen Prinzen an ihrer Seite hatte, ihr treuer Gefährte jederzeit zu Diensten stand und sie vor allen Gefahren beschützen würde.  Er unterwarf sich ihrem Willen und bekam dafür einen Platz zwar nicht an ihrer Seite, aber in ihrem Gefolge.

Natürlich wählte eine hohe Dame ihre Diener mit Bedacht. Es waren nicht die ungewaschenen Stallburschen, die für die hohe Minne in Frage kamen. Wenn auch von niederem Rang, so waren die Erwählten dennoch von edler Geburt. Es waren starke Ritter in einer strahlenden Rüstung, geschult in Reiterei und Kampf, aber auch in Musik und Lyrik, die einer Dame zu dienen und sie zu unterhalten wussten. Sie waren die stolzen Recken ihrer Herrin, mit denen sich eine Dame durchaus schmücken konnte. Und auch, wenn sie ihren Recken von Zeit zu Zeit ein wenig zügeln oder gar bestrafen musste, herrschte ein tiefes Band der Verbundenheit zwischen beiden.

In der heutigen Zeit ist natürlich alles etwas moderner geworden. So muss ich zumindest nicht mehr befürchten, dass mein Partner den Kopf verliert, wenn ich ihn zu mir ins Bett hole.
Das Bild der ritterlichen Hingabe jedoch ist es, welches für mich das romantischste und schönste ist, wenn ich an die weiblich geführte Beziehung denke. Darum ist das Bild vom Minnedienst mein persönliches Leitbild zum Thema FLR. Natürlich braucht auch ein stolzer Ritter ab und zu die führende, vielleicht sogar strafende Hand, aber dennoch bleibt er ein Ritter.

Mein Ritter. Stark, treu und loyal!

Cutknight2

Bildlizenz: Getty Images, Bearbeitung Elisabeth Steinhaus

Letzte Bearbeitung: 27.11.2016

 

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